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Das Nabu-IVG-Papier aus 2014

Dr. Matthias Schreiber

In einem gemeinsamen Positionspapier des Industrieverbandes Garten e.V. (IVG) und des Nabu Niedersachsen haben die beiden Verbände ihre Vorstellungen zum Umgang mit der künftigen Abtorfung in Niedersachsen formuliert. Die Gespräche wurden im Juli 2012 aufgenommen, das Abschlusspapier ist datiert vom 17. Juli 2014. Da diese vor zehn Jahren entwickelten Überlegungen auch bei heutigen Verfahren immer noch als Argument für die Zulassung von Abtorfungen angeführt werden (z.T. sogar von Naturschutzorganisationen), weil die Fläche nach Beendigung des Abbaus vernässt werden und mit dem einsetzenden Moorwachstum den freigesetzten Kohlenstoff wieder binden soll, ist es geboten, sich gerade vor dem Hintergrund der sich beschleunigenden Klimaveränderungen und der Notwendigkeit, klimaschädliche Emissionen kurzfristig zu vermeiden, mit den darin formulierten Annahmen kritisch auseinanderzusetzen.

Im Zentrum stehen die folgenden Annahmen: „Beide Seiten sind sich einig, dass die Rohstoffnutzung von entwässerten, unter landwirtschaftlicher Nutzung stehenden Moorflächen mit anschließender Wiedervernässung unter bestimmten Umständen eine Option sein kann, Moor- und Klimaschutz zu finanzieren und zu verwirklichen.

Es besteht Konsens, dass aktuell nicht genügend geeignete andere Ausgangsstoffe am Markt zu erhalten sind und die Forschung in diesem Bereich fortgeführt werden muss.“

Die tragenden Annahmen für die weiteren Überlegungen

Würde die Abtorfung in Niedersachsen eingestellt, käme es zu Torfimporten von anderswoher. Eine vorherige Abtorfung sei Voraussetzung dafür, dass Moorflächen für eine künftige Renaturierung zur Verfügung stehen: „Allein mit staatlichen Mitteln wird ein Ende der landwirtschaftlichen Nutzung von Moorböden kaum umsetzbar sein.“

„Ausgehend von diesen Positionen wurden gemeinsame Überlegungen angestrengt, um Rahmenbedingungen zu definieren, unter denen eine Rohstoffnutzung in Niedersachsen zu den Interessen des Moor- und Klimaschutzes beitragen kann:

  • Die Flächen werden durch die Rohstoffgewinnung aus der landwirtschaftlichen Nutzung und mittelfristig in die Wiedervernässung und Moorrenaturierung überführt.
  • Der Torfabtrag stellt aufgrund der Vorschädigung einen möglichst geringen naturschutzfachlichen Eingriff dar.
  • Die Gesamtplanung führt zu positiven klimaschutz- und naturschutzfachlichen Entwicklungen des gesamten betroffenen Moorkomplexes.
  • Es erfolgt eine Berücksichtigung für den negativen Klimaeffekt der Torfnutzung in den gärtnerischen Erden und Substraten.
  • Für die Rohstoffnutzung wird das bestmögliche Verfahren zur Sicherstellung des Renaturierungszieles gewählt.

In die Betrachtung wird die potentielle Verlagerung von in Deutschland fehlender Rohstoffgewinnung in das Baltikum (Leakage) und die damit verbundenen zusätzlichen Emissionen aus dem Transport einbezogen.“

Weitere Abschnitte widmen sich der aktuellen Situation der Moore und der technischen Umsetzung einer Abtorfung mit anschließender Wiedervernässung. Die Abschnitte 4 und 6 behandeln schließlich auch die Problematik der Treibhausgas-Emissionen. Ohne hier auf alle Einzelheiten einzugehen, sind folgende Annahmen des bilanzierenden Vergleichs der Treibhausgas-Emissionen relevant (S. 16):

„Phase 1: Die Emissionen aus dem Torfabbau liegen in den ersten 15 Jahren inklusive der gärtnerischen Nutzung der Torfe unter den Treibhausgasemissionen der landwirtschaftlichen Nutzung.

Phase 2: Im Anschluss übersteigen die Emissionen aus dem Abbau (in dem angeführten Beispiel 1 m Weißtorf-Abbau über 10 Jahre) und der gärtnerischen Nutzung der Torfe (Umsetzung zu CO2 über 10 Jahre) die der landwirtschaftlichen Nutzung. In diesem Abschnitt ist die Variante Torfabbau deutlich "klimaschädlicher" als die fortlaufende landwirtschaftliche Nutzung.

Phase 3: Erst mit beginnender Wiedervernässung kommt es nach einer Phase von erhöhten Methanemissionen zu einer Umkehr der Wirkungspfade und somit zur Ausbildung einer Kohlenstoffsenke. Mittel- bis langfristig wird dadurch die im Vergleich zur "Nullvariante" erhöhte CO2-Freisetzung wieder ausgeglichen.“

Nicht mehr auf der Höhe der Klimadiskussion

Voranzustellen ist die Feststellung, dass der Nabu hier keine Vereinbarung mit den Abtorfungsunternehmen, sondern mit den späteren Nutznießer des Produktes geschlossen haben. Die eigentlichen Akteure des Abbaus sind also gar nicht direkt beteiligt. Dass es bei der Abtorfung mitunter nicht so genau zugeht, kann man hier nachlesen.

Darüber hinaus: Der Nabu-IVG-Ansatz legt einige Annahmen zugrunde, die der mittlerweile offensichtlichen Dramatik der Klimaveränderungen nicht mehr gerecht werden. Denn zur Begrenzung der Temperaturerhöhungen ist es erforderlich, möglichst kurzfristig alle denkbaren Quellen klimarelevanter Emissionen zu verstopfen. Dem wird das Konzept jedoch nicht gerecht, im Gegenteil: Es führt zu einer kurzfristigen Freisetzung des bis jetzt noch gebundenen Kohlenstoffs durch Abtorfung und anschließende Verwendung im Gartenbau, während sich die erwartete Bindung entsprechender CO2-Mengen durch Moorwachstum erst nach Jahrhunderten eingestellt haben wird (siehe dazu auch hier).

Einige eher fatalistische Grundannahmen kann man ebenfalls nicht gelten lassen:

Wer sagt eigentlich, dass die landwirtschaftliche Nutzung auf Moor ohne Abtorfung noch so weiterlaufen würde wie bisher? Das Problembewusstsein in der Landwirtschaft hinsichtlich der Klimaproblematik ist mittlerweile stark ausgeprägt. Es stehen mit dem „Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz“ erhebliche Mittel des Bundes bereit, sodass die landwirtschaftliche Nutzung auf Moorböden auch klimaverträglich umgestellt werden könnte, ohne vorher die derzeit noch eingelagerten Kohlenstoffvorräte freizusetzen.

Auch dem Argument der Unverzichtbarkeit von Torf für den Gartenbau sind sehr enge Grenzen zu setzen. Es geistert so lange durch die Diskussion, wie es die Bemühungen um den Schutz der Moore gibt. Und immer sind es bis zur Verfügbarkeit von Ersatzprodukten noch ein paar Jahre, gleichzeitig werden zunehmend Alternativen entwickelt. Es wird am Ende eine Frage des Preises sein, ob man auf Torf als Substrat verzichtet oder nicht. Solange aber das Substrat „Torf“ billig zur Verfügung steht, sind die Anreize zu Suche nach Alternativen offenbar begrenzt. Jedenfalls sind ein jährlicher Verbrauch von zuletzt 7 Mio. m³ (Tendenz lt. Landtagsdrucksache steigend) und die damit verbundenen klimarelevanten Emissionen nicht akzeptabel.

Ebenfalls nicht tragfähig ist der Einwand, eine Beendigung des Torfabbaus in Niedersachsen würde lediglich zu einer Verlagerung der Abtorfung ins Ausland führen (2019 stammte der Torf teilweise übrigens auch aus Russland) und dort die Moore zerstören. Für die Klimabilanz ändert sich dadurch nichts, denn die Emissionen bleiben und sind Deutschland zuzurechnen.

Schlussfolgerungen

Der Nabu Niedersachsen als Naturschutzorganisation, die sich auch dem Klimaschutz verpflichtet fühlt, sollte von dem gemeinsamen Positionspapier Abstand nehmen. Es mag zum Zeitpunkt der Erstellung, als die Dringlichkeit des Klimaschutzes noch nicht so sehr im Zentrum stand wie mittlerweile und der Fokus deshalb mehr auf den Naturschutz gelegt worden ist, noch vertretbar gewesen sein. Vor dem Hintergrund jedoch, dass es heute darum geht, so schnell wie möglich so viel wie möglich gebundenen Kohlenstoff zu sichern, ist das Papier völlig aus der Zeit gefallen und konterkariert komplett die Notwendigkeiten des Klimaschutzes.

Die Vereinbarung ist mittlerweile auch nicht mehr auf der Höhe der politischen Ziele der aktuellen Landesregierung, denn dort heißt es auf S. 16 des Koalitionsvertrages: „Entsprechend der Bund-Länder-Zielvereinbarung zum Moorschutz werden wir die Unvereinbarkeit neuer Torfabbaugenehmigungen mit dem Klimaschutz gesetzlich verankern. Wir werden Verhandlungen mit den Torfabbau-Unternehmen aufnehmen, um bestehende Abbaugenehmigungen nicht mehr vollständig zu nutzen. Wir prüfen Instrumente, um eine Verlagerung des Torfabbaus ins Ausland zu verhindern.“

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