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Moor muss nass

Großaufgebot bei einem Pflegeeinsatz des Nabu Osnabrück im NSG "Venner Moor"
(Foto: G. Seyfert)

Kahle, abgebrochene Stämme von Birken ragen in den grau verhangenen Himmel, und kleine grüne Kiefern wuchern zwischen hohem Pfeifengras, Farnen und Moosen. An einem nasskalten Wintertag wirkt diese Landschaft nicht einladend. Trotzdem sind mehr als siebzig Menschen an einem Samstagmorgen Ende November extra früh aufgestanden, um hierher ins nördliche Osnabrücker Land zu kommen. Sie wollen anpacken, Kiefern und Gebüsch entfernen und damit eine trockengelegte Moorlandschaft darauf vor‧bereiten, dass sie unter Wasser gesetzt wird. Sie engagieren sich tatkräftig für den ‧Klima- und den Artenschutz, denn dafür braucht es Moore, die nass sind.

»In der Natur arbeiten und dabei effektiv sein, das machen wir gerne«, sagt Wiebke Mai, die mit ihrer Familie aus dem vierzig Kilometer entfernten Osnabrück kommt. Auch ihre Töchter wirken zufrieden. »Ich hab’ mich schon gestern Abend gefreut, dass es heute gleich nach dem Aufstehen losgeht«, sagt die zehnjährige Lea und ‧lächelt dabei ihren Papa an, der noch etwas müde wirkt. Die Aufgabe für die ehrenamtlichen Landschaftspfleger: Die zahlreichen Kieferbäumchen, die fünf Männer mit Motorsägen gerade fällen, aus dem unwegsamen Gelände holen und an der nächsten Straße ablegen. Dorthin werden Trecker mit großen Anhängern kommen und die 500 Bäume aufladen. In der Stadt finden die pestizidfreien und klimaneutralen Weihnachtsbäumchen, die der Naturschutzbund (Nabu) gegen Spende abgibt, mittlerweile reißenden Absatz.

Intakte Moore und Feuchtgebiete sind für den Klimaschutz immens wichtig. Sie sind hervorragende Speicher für Kohlenstoff, viel effektiver noch als Wälder. Zum Vergleich: Ein Hektar Moor bindet sechsmal so viel CO2 wie die gleiche Fläche Wald. Werden Moore jedoch entwässert für die Gewinnung von Torf, für Land- und Forstwirtschaft, wirken sie besonders klimaschädlich: Auf dem trockenen Moorboden verfällt der Torf, der dort gespeicherte Kohlenstoff verbindet sich mit dem Sauerstoff der Luft zu CO2 und dem noch klimaschädlicheren Lachgas. Permanent entweichen große Mengen von Klimagasen. Aber Moore halten in ihrem Boden nicht nur große Mengen Kohlenstoff, sondern auch Wasser. Ein unversehrtes Moor besteht ganz überwiegend aus Wasser und wirkt damit bei Extremwetter ausgleichend. Es sorgt in seiner Umgebung für Kühlung bei Hitzewellen und kann bei Starkregen Wasser aufnehmen wie ein Schwamm.

Entwässert, abgetorft, bebaut

Torfabbau im Großen Moor bei Osnabrück - ein Kohlenstoffspeicher wird freigesetzt und trägt
zur Aufheizung derder Atmosphäre bei (Bild: M. Schreiber)

Einst bedeckten Moorlandschaften in Deutschland 1,5 Millionen Hektar, das entspricht ungefähr der Größe des Bundeslandes Sachsen. Weltweit gibt es Moore vor ‧allem auf der Nordhalbkugel, in Russland, Kanada, Skandinavien, Schottland und Mitteleuropa. Aber es gibt auch tropische Moore, sie liegen im Kongo, in Uganda und auf den indonesischen Inseln Sumatra und Borneo. Nach Angaben des Greifswald Moor Centrums sind vier Millionen Quadratkilometer der Erde mit Mooren bedeckt, drei Millionen davon seien noch ‧intakt. In Deutschland ist die Situation gravierend schlecht: die ursprünglichen Moore sind zu 95 Prozent entwässert, abgetorft, ‧bebaut oder land- und forstwirtschaftlich genutzt.

In der Geschichte der Erde entstanden Moore, als sich auf undurchlässigen ‧Bodenschichten über Jahrtausende Wasser sammelte. Zu riesigen Speichern von Kohlenstoff wurden sie durch die Pflanzen, die unter diesen nassen, nährstoffarmen Bedingungen gedeihen. Torfmoos, Wollgras, Heidekraut und andere Moorspezialisten verbrauchen, wie alle Pflanzen, für ihr Wachstum Kohlenstoff aus der Luft. Aber wenn sie verwelken, sinken sie ins feuchte Nass und vermodern dort ohne Kontakt zur Luft. So werden beim Verfall ihre Kohlenstoffverbindungen im Boden gehalten und nicht an die Luft abgegeben. Sehr langsam bilden sie Schichten von Torf, in denen ihr Kohlenstoff gespeichert ist. Torf ist ein fossiler Rohstoff.

An diesem Morgen in der rauen Landschaft wirkt Andreas Peters zufrieden und lächelt. Er ist Vorsitzender des Nabu im Osnabrücker Land und freut sich, dass so viele Menschen seinem Aufruf gefolgt sind, bei der Entbuschung des Moores mitzumachen. Seit knapp vierzig Jahren ist sein Naturschutzverband hier aktiv. »Von Jahr zu Jahr kommen mehr freiwillige Helfer«, sagt der 54-Jährige. Gar nicht zufrieden ist Andreas Peters jedoch damit, wie von den politischen Entscheidern der Schutz und die Renaturierung von Moorböden vernachlässigt werden. »Es hat sich offensichtlich immer noch nicht ausreichend herumgesprochen, welches Klimaschutzpotenzial in den Mooren liegt, mal abgesehen von ihrer außerordentlichen Bedeutung für den Naturschutz. Wir setzen – zusätzlich zu unseren praktischen Schutzmaßnahmen – auf jeden Fall alles daran, die Politik zum Handeln zu drängen«, sagt der Diplombiologe.

Hotspots für Treibhausgase

Grünland auf Hochmoor im NSG "Hahnenmoor" in den Landkreisen Osnabrück und Emsland.
Freisetzung eines Kohlenstoffspeichers durch Nutzung und: seit der Unterschutzstellung sind
gefährdete Brutvogelarten wie die Uferschnepfe verschwunden.

Landwirtschaftlich genutzte Moore sind Hotspots für Treibhausgase. Entwässerte Moorböden machen in Deutschland etwa acht Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche aus. Aus diesen kommen nach Angaben das Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz 6,7 Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen. Das sind so viele, wie der innerdeutsche Flugverkehr verursacht. In Niedersachsen, wo es einst besonders viele Moore gab, kommen sogar elf Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen des Bundeslandes von diesen denaturierten Flächen.

Ob die neue Ampel-Regierung den Moorschutz stärken wird, ist noch ungewiss. Immerhin: Eine »nationale Moorschutzstrategie« soll laut Koalitionsvertrag verabschiedet und zügig umgesetzt werden. Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger aus Berlin bewertet diese Vorhaben zwar als »erfreulich«, jedoch auch als »vage«, weil der »zeitliche Horizont und der finanzielle Umfang dieser Maßnahmen leider unklar« blieben. Die Koalitionsvereinbarung von Sozialdemokraten, Grünen und Liberalen zeigt, dass sie die dringend notwendige ‧Reduktion von CO2 vor allem durch massive Investitionen in den Ausbau regenerativer Energien, neuer Infrastruktur wie Strom- und Bahntrassen und der Wärmedämmung erreichen wollen.

Der Schutz von Moor- und anderen für den Klima- und Artenschutz wichtigen Böden fällt in verschiedene politische Ressorts. Im Landwirtschaftsministerium müsste ebenso ein Politikwechsel stattfinden wie im Verkehrs- und im Bauministerium. Im Verkehrsbereich geht das nur, wenn Pläne für den weiteren Bau von Straßen überprüft und auch aufgegeben werden. Ob es hier zu einem Politikwechsel kommt, wird sich deutlich an der Küstenautobahn A20 zeigen, die bislang von offizieller Seite als »wichtigstes Vorhaben« im Bundesverkehrswegeplan 2030 bezeichnet wurde. Von Vorpommern soll die A20 Richtung Westen über Schleswig-Holstein durch einen neuen Elbtunnel nach Niedersachsen führen und bei Oldenburg enden. Die A20 würde eine Fläche von 5000 Hektar verbrauchen, darunter auch viele Moorböden – und ist damit eines der umweltschädlichsten Bauvorhaben.

Straßenbau durchs Moor ist besonders teuer, schädlich und riskant, weil tiefe Torfschichten nicht stabil sind. Das zeigte sich wieder einmal in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Küstenautobahn schon in Betrieb ist. In den Jahren 2017 und 2018 sackten Teile der Fahrbahnen tief in den Boden ab, sodass sie über lange Zeit gesperrt und aufwändig neu gegründet werden mussten. Neuer Verkehrsminister ist nun Volker Wissing von der FDP. Im Koalitionsvertrag steht nur Wolkiges zum Bundesverkehrswegeplan 2030. Erst den nächsten Bundesverkehrswegeplan, der bis 2040 reichen soll, will die Koalition »auf Basis neuer Kriterien« entwickeln. Schaffen es Zivilgesellschaft und Naturschutzverbände durch Proteste und Klagen, das Projekt Küstenautobahn A20 zu verzögern, könnte der Schutz dieser Moorböden vielleicht noch gelingen.

Wer Moorböden schützen will, erntet Widerstand. Um die Ressource Land wird gestritten. Wer darf den Boden nutzen? Logistikunternehmen und Autofahrer? Firmen, die Torf abbauen und für Pflanz-erde vermarkten? Landwirtschaftliche Betriebe? Oder haben jetzt Naturschützer Anspruch darauf, weil klar ist, wie wichtig Feuchtgebiete für den Klima- und Artenschutz sind? Im Koalitionsvertrag ist zu lesen, die Regierung wolle Schutzmaßnahmen für Moore durch einen »partizipativen Prozess zur Erarbeitung nachhaltiger Entwicklungskonzepte begleiten«. Man strebt nach einem Interessenausgleich, an dem alle Beteiligten mitwirken sollen. Erfahrungsgemäß sind solche Verfahren langwierig und drohen zu scheitern. Dennoch ist es wichtig, diesen Konflikt auszutragen und Alternativen zur üblichen Landnutzung zu entwickeln.

Im Moor, das still daliegt hinter dem Dorf Venne, in dem die Freiwilligen an diesem Samstagmorgen gut gelaunt arbeiten, sind solche Konflikte zu ahnen. Auf dem Weg zum Arbeitseinsatz kommt man vorbei an Äckern, auf denen noch Strünke von Mais stehen, wo Winterweizen grünt oder Ackersenf blüht. Mit Gülle, die in den Ställen der Intensiv-Viehhaltung überreich anfällt, trimmt man den nährstoffarmen Moor‧boden so, dass hier die Energiepflanze Mais wächst. Aber zu viel Gülle schädigt nicht nur den Boden, sondern auch Wasser und Grundwasser der Region. Als Naturschutzgebiet ausgewiesen sind nur fünf Prozent der ursprünglichen Fläche des Venner Moores. Bis in die 1970er-Jahre stachen hier Bauern Torf, den sie als Brennstoff nutzten. Heute steht im Norden des Moores ein Werk, das industriellen Torfabbau betreibt. Die Genehmigung dafür hat es vom Landkreis Osnabrück, sie gilt noch für die kommenden zwanzig Jahre, bis 2042.

Das ist keine Ausnahme. So bekam die Firma Compo vom Landkreis Nienburg/Weser im Jahr 2018 eine Genehmigung, um auf 154 Hektar noch 35 Jahre lang Torf im Großen Uchter Moor abzubauen. Die ‧politisch Verantwortlichen des Landkreises Nienburg rechtfertigen ihre Entscheidung damit, man habe die Firma dazu verpflichtet, nach Ende des Torfabbaus eine »Moor-Renaturierung mit Wiedervernässung« durchzuführen. Damit beginnt der Klima- und Artenschutz dort frühestens ab dem Jahr 2053. Diese lokale Klimapolitik erscheint angesichts der globalen Klimakrise grotesk, sie ist aber üblich, weil man damit Konflikte vor Ort vermeidet. Auch über das Venner Moor bestimmen die lokalen politischen Größen nach diesem Muster: Grünes Licht für die Renaturierung von Moorflächen gibt es erst dann, wenn das Torfwerk dort seine Arbeit getan hat.

Ein Jahrtausendwerk

Wiedervernäßte Fläche im NSG "Venner Moor" (Landkreis Osnabrück; Foto: M. Schreiber)

»Renaturierung heißt aber nicht, dass hier wieder ein ursprüngliches Moor mit Torf entsteht«, erklärt Andreas Peters vom ‧Nabu. Torfschichten wachsen extrem langsam, einen Millimeter pro Jahr. Jedes Moor ist ein Jahrtausendwerk. »Wir bringen die geschädigte Moorlandschaft in einen möglichst naturnahen Zustand«, sagt Peters. Wird das ehemalige Moor wieder nass, entsteht ein Feuchtgebiet, aus dem die Emission schädlicher Klimagase weitgehend gestoppt ist. Dafür verschließt man die vor Jahrzehnten oder sogar vor Jahrhunderten angelegten Entwässerungsgräben. Anschließend machen Niederschläge den Boden allmählich wieder dauerhaft nass. »Wir haben im Venner Moor noch einen kleinen Fleck heile Haut, wo heimische Amphibien, Schlangen wie Kreuzotter und Schlingnatter, und verschiedene Torfmoose überlebt haben«, sagt Naturschützer Peters. »Wir hoffen, dass sie von dort kommen und sich hier ausbreiten werden.«

Vielleicht können auch bald schon Landwirte Moorflächen naturverträglich nutzen. Weil die Weltbevölkerung weiter wächst, muss man davon ausgehen, dass die Areale auch in Zukunft für die Landwirtschaft gebraucht werden. Zu umweltverträglichen Nutzungen von Mooren forscht seit 25 Jahren Hans Joosten von der Universität Greifswald. Er prägte dafür den Begriff »Paludikultur« (von lateinisch palus ‧Morast, Sumpf). »Moor muss nass«, lautet das Credo des 65-jährigen Professors, der sich auch international für die Wiedervernässung von Mooren einsetzt. Für sein Engagement bekam er im vergangenen Jahr den hoch dotierten Deutschen Umweltpreis.

Mit Paludikultur können Landwirte nasse Flächen bewirtschaften, zum Beispiel Rohrkolben und andere große Sumpfgräser anbauen. Später lassen sich daraus Dämmplatten für den Bau herstellen, die schwer entflammbar und kompostierbar sind. Oder man ergänzt den Viehbestand mit Wasserbüffeln, deren Milch für Büffelmozzarella genutzt werden kann. Wegweisende Projekte machten Hans Joosten und das Team vom Greifswald Moor Centrum mit Herstellern von Pflanzerden. Torf wird ständig als unverzichtbarer Bestandteil von Pflanzerde bezeichnet, weil er Feuchtigkeit hält, dabei luftdurchlässig bleibt und günstig ist. Aber Experimente mit nachwachsenden Torfmoosen, die auf wiedervernässten Mooren gedeihen und geerntet werden, zeigen: Nachwachsende Torfmoose sind ein guter Ersatz für den fossilen Torf.

So zeigt sich: Es braucht Sinn für den Schutz von Pflanzen und Tieren, kreatives Denken und innovatives Handeln. So könnte es möglich sein, die Klimakrise zu meistern – mit nassen Mooren als natürlichen Verbündeten.

Zuerst erschienen in Publik Forum Nr. 1 / 2022. Mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Von Gunhild Seyfert

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