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Wie steht es um die letzten ostmitteleuropäischen Tiefland-Haselhühner?

Haselhuhnhabitat bei Ubyszów: Deckungsreicher Bestand mit tief beasteten Fichten, eng ver-zahnt mit Winternahrungsgehölzen, insbesondere Birken und Weiden, sowie nahrungsrei-
chen Waldlücken als wichtiger Bestandteil von Sommerhabitaten

 

Zu winterlichen Nachweisen eines möglichen Tetrastes bonasia rupestris-Vorkommens im Heiligkreuzgebirge (Góry Świętokrzyskie) in Polen

Florian Straub, Markus Handschuh

Das Haselhuhn (Tetrastes bonasia) weist heute in Mitteleuropa eine stark fragmentierte Verbreitung auf. Regional werden insbesondere kontinentale Tiefland- und Übergangspopulationen als naturschutzfachlich bedeutsam angesehen; ihre taxonomische Einordnung ist jedoch vielerorts unzureichend abgesichert. Das Heiligkreuzgebirge (Góry Świętokrzyskie) in Polen stellt möglicherweise einen der letzten Kernräume eines ostmitteleuropäischen Reliktvorkommens dar, über dessen aktuellen Erhaltungszustand bislang nur unzureichende Informationen vorlagen. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es daher, einen aktuellen Eindruck von Verbreitung und Bestandsstruktur der Haselhuhnpopulation im Heiligkreuzgebirge zu gewinnen und die Ergebnisse sowohl im Kontext der offenen Unterartenfrage als auch im Sinne lokal angepasster Erhaltungseinheiten (Management Units) einzuordnen.

Zwischen dem 16. und 20. Februar 2025 wurden winterliche Stichprobenkartierungen in insgesamt 62 Rasterquadranten (1 × 1 km) durchgeführt. Die Nachsuche konzentrierte sich auf potenziell geeignete Habitatstrukturen und erfolgte primär über den Nachweis von Winterlosung, ergänzt durch akustische Reizmethoden. Insgesamt wurden rund 161 km Fußstrecke mit einem Suchaufwand von etwa 73 Stunden zurückgelegt.

Haselhuhnnachweise gelangen in fünf Rasterquadranten, die sieben Revieren zugeordnet werden konnten. Bezogen auf die untersuchte Fläche von etwa 2.500 ha ergibt sich daraus eine Siedlungsdichte von rund 2,8 Revieren pro 10 km². Die Vorkommen konzentrierten sich ausschließlich auf feuchte, strukturreiche Waldstandorte entlang von Fließgewässern, insbesondere im Einzugsgebiet des Flusses Kamienna westlich von Skarżysko-Kamienna. In weiten Teilen des historisch abgegrenzten Areals konnten keine Nachweise mehr erbracht werden, was auf einen deutlichen Bestandsrückgang und eine starke räumliche Konzentration der Population hinweist.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich der Erhaltungszustand der Haselhuhnpopulation im Heiligkreuzgebirge in den letzten Jahren erheblich verschlechtert hat. Unabhängig von der taxonomischen Benennung ist die Region aufgrund ihrer biogeographischen Lage und der nach molekulargenetischen Befunden nachweisbaren Eigenheiten der Population als eigenständige Erhaltungseinheit (Management Unit) von hohem Wert. Vor diesem Hintergrund wird die Durchführung weiterführender systematischer Bestandserfassungen sowie ergänzender morphologischer und taxonomischer Untersuchungen als dringend erforderlich erachtet.

Die Langfassung des Beitrages kann hier heruntergeladen werden.

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